Usbekistan

Wo das Meer Verschwand

28. Mai 2025 - 6. Juni 2025
28. Mai 2025 - 6. Juni 2025
Es gibt keine bessere Art Usbekistan zu bereisen als einmal mit dem Zug durch das Land und zurück. Je weiter man sich Richtung Westen von der Hauptstadt Taschkent entfernt, desto staubiger wird es. Hier finden sich dann die Städte Bukhara und Khiva, welche die Kulisse für Usbekistans wunderschöne Postkartenmotive sind: orientalische Bauten mit türkis-blauen Mosaiken in beiger Umgebung. Möchte man dann noch dort hin wo einst der Aralsee verschwand, ist dies jedoch nur per Auto möglich.

Gleise, Sand und Schlaglöcher

Am besten fanden wir unsere 8-Stunden-Fahrt in einem Nachtzug-Abteil am Tag zurück nach Bukhara. In unserem privaten Abteil mit zwei Betten war es einfach super gemütlich und wir konnten die Ausblicke genießen. Manchmal sah die Wüste durch den dunklen Staub fast wie eine Mondlandschaft aus. Sehr anstrengend und wenig erholsam war hingegen eine lange Zugfahrt bei Nacht ohne funktionierende Klimaanlage.

uz train chris window - Wo das Meer Verschwand

country uzbekistan 2 - Wo das Meer Verschwand

Und hier noch ein paar zufällige Gedanken zum Zugfahren in Usbekistan:

  • Das 3.-Klasse-Abteil ist hervorragend geeignet, um nonverbal (mit Händen und Füßen) mit den Mitreisenden ins Gespräch zu kommen.
  • Es kann beim Zugpersonal für Verwirrung sorgen, wenn man als Tourist nicht erste Klasse gebucht hat.
  • Die Essensverkäufer im Zug können sehr penetrant sein. (Seit unserer Erfahrung in Vietnam werden wir aber keine Mahlzeit mit Fleisch mehr im Zug kaufen.)
  • Im Zug nicht die Fenster öffnen: der Sand landet wirklich überall!

Bukhara

Hier waren wir durch die Hin- und Rücktour gleich zweimal. Nach einem gemütlichen Spaziergang durch Bukhara hat man aber eigentlich schon alles gesehen.

Unsere Unterkunft hier war perfekt und als wir bei weit über 30°C noch mehrere Stunden auf unseren Nachtzug warten mussten, wurden wir auf der Dachterrasse des Hotels lieb mit Tee und Knabbereien umsorgt.
uz bukhara kalan minaret chris - Wo das Meer Verschwand

uz khiva impresssion 04 - Wo das Meer Verschwand

Khiva

Die Stadt Khiva ist für ihre gut erhaltene Altstadt bekannt. Wir würden sie allerdings eher als über-restauriert bezeichnen. Mit den perfekt neu errichteten Stadtmauern und Gebäuden versprüht sie für uns einfach einen gewissen Disneyland-Charme. Da hilft es auch nicht, dass man zum Betreten der Altstadt Eintritt bezahlen muss. Wenn man nur Zeit für eine weitere Stadt hat, dann würden wir definitiv Bukhara empfehlen!

Der Weg zum einstigen Aralsee

In Usbekistan kann man hautnah erleben wie radikal der Mensch in die Natur eingreifen kann: Vom Aralsee (einst das viertgrößte Binnengewässer der Erde) ist heute nur noch eine staubige Wüstenlandschaft geblieben.

Die alten Schiffswracks im heißen Sand verrosten zu sehen ist einfach ein bizarrer und trauriger Anblick.
Was vom einstigen Aralsee blieb - Wo das Meer Verschwand

Was vom einstigen Aralsee blieb

Um an diesen abgelegenen Ort zu gelangen, ließen wir uns über holprige Straßen mit tausenden Schlaglöchern (zuerst nach Nukus und weiter) bis nach Moynaq fahren. Dass dieser Ort einst eine lebendige Hafenstadt war, ist heutzutage kaum zu glauben.

uz mizdak necropolis view 01 - Wo das Meer Verschwand

Fun-Fact: Diese Region im Westen Usbekistans nennt sich die unabhängigen Republik Karakalpakstan.
uz shilpiq approach anna - Wo das Meer Verschwand

Auf der Autofahrt nach Nukus hat uns vor allem der Zwischenstopp bei Chilpik (einem sogenannten Turm des Schweigens) gefallen. In dieser über 2000 Jahre alten Begräbnisstätte auf einem Hügel wurden einst Tote aufgebahrt und der Natur überlassen.

Unser Abstecher nach Usbekistan war ein wichtiges Puzzle-Stück unserer Reise, da Zentral-Asien für uns noch ein so großer unbekannter Fleck auf der Landkarte war. Und hier nun gesehen zu haben wie die Einflüsse verschiedener Kulturen zusammenkommen, war einfach toll. Dass wir Usbekistan ausschließlich über Land bereist haben war ein wirkliches Highlight. Dieser Reisestil gefällt uns am besten, um auch die leisen Zwischentöne besser wahrzunehmen.

Nachdem wir zuvor Ägypten bereist hatten, hat uns Usbekistan wieder geschafft daran zu erinnern, dass es schon okay ist sich ab und zu auch mal darauf einzulassen, von zufälligen Fremden angesprochen zu werden. Manchmal will jemand auch einfach nur ehrlich "Where are you from?" wissen, um freudig "Guten Tag!" zu wünschen.